Mehr als 20 Jahre lang war die Dorfkirche in Landin nicht nutzbar. Sie war in einen so desolaten Zustand geraten, dass die Gemeinde das Gebäude schließen musste, denn es waren unter anderem Teile der Zwischendecke zum Dachstuhl aufgebrochen und herabgefallen und es bestand die Gefahr, dass sich weitere Teile der Decke lösten und hinunter fielen.
Anfang der 1990er Jahren hatte es einen Sanierungsversuch gegeben, der jedoch auf halber Strecke unvollendet liegen blieb, da wohl das Geld ausging.
So war damals zwar schon das Hauptdach repariert worden, aber das Dach des Vorbaus fehlte nun völlig und dieser stand offen und ungeschützt da.
Durch die engagierte Initiative einiger Dorfbewohner wurde der Vorbau mit einem Notdach verschlossen, so dass kein Regen in das Gebäude gelangen konnte und es vor rapidem, weiteren Verfall geschützt werden konnte, jedoch wurde danach das Gebäude aus Sicherheitsgründen verriegelt und fiel in einen langen Dornröschenschlaf.
Erst ca. 2013 wurde durch einige Dorfbewohner und ihren Wunsch, die Kirche instand zu setzen und nutzbar zu machen und insbesondere auch das Glockengeläut wieder im Dorf erklingen zu lassen, eine Initiative zur Rettung der Dorfkirche Landin ins Leben gerufen, die schließlich zur Gründung eines Vereins führte.
Zunächst unter der Führung von Rainer Maroski und später von Gert Dittrich wurde somit Anfang 2015 offiziell der Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin e.V. gegründet.
Nach intensiver Vorarbeit mit Vereinsgründung, Konzeptionierung, Zustandserfassung, Finanzierungsanträgen, Öffentlichkeitsarbeit und vielem mehr konnte 2018 mit der Sanierung begonnen werden - nicht zuletzt dank einiger großzügiger Spenden und der bewilligten LEADER-Mittel für die Wiedernutzbarmachung der Patronatskirche als Kunst- und Kulturkirche sowie als multifunktionale Aktions- und Begegnungsstätte für das ganze Dorf und die Region Westhavelland.
Viele Landiner und Freunde der Landiner Kirche sind aus diesem Anlass und bei herrlichsten Sonnenschein auf den Landiner Kirchberg gekommen. Der Festakt begann mit einer Gesangsdarbietung des Stechower Kindergartens, die für viel Freude und Unterhaltung sorgte. Die Gruppenleiterin der Kita, Raika Koch, erklärte vor dem Auftritt ihrer Kinder, wieviel die Sanierung und Wiederinbetriebnahme der Landiner Kirche ihr persönlich bedeutet: hier wurde sie getauft, hier heirateten ihre Eltern, ihr Bruder erhielt hier seine Konfirmation. Die Kinder sangen unter anderem „Wer will fleißige Handwerker sehen, der muß nach Landin hingehen...“ das war zweifellos der künstlerische Höhepunkt des Vormittages und erfreute alle Zuschauer.
Anschließend hielt der zuständige Pfarrer Herr Huth eine Andacht und
umriss das Projekt der Kirchensanierung – von der Finanzierung bis zur beabsichtigten Nutzung. Andreas Tutzschke, der Vorsitzende des
Gemeindekirchenrates, hob in seinem Redebeitrag hervor, dass Initiativen wie die des Fördervereins eine gute Möglichkeit sind, Kirchen im
Dorf zu verankern, sowohl physisch als auch durch das erweiterte Nutzungskonzept. Im Anschluß betonte Herr Pfarrer Arnulf Kraft vom
Förderkreis Alte Kirchen in Berlin und Brandenburg e.V. die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung des Projekts mit den Beteiligten.
Auch die Amtsdirektorin unseres Amtsbereiches, Frau Ilka Lenke, war zugegen und nutzte die Gelegenheit, die Bedeutung der Wiederherstellung der
Landiner Kirche für die Region zu unterstreichen. Sie freut sich auf eine Bereicherung des kulturellen Lebens im Havelland – und wir
natürlich auch. Abschließend wurde der symbolische Spatenstich vollzogen.
Sehr gut angenommen wurde die anschließende Kirchenführung und der Rundgang durch das Gebäude. Und bei Kaffee, Kuchen und anregenden
Gesprächen saßen die Teilnehmer und Besucher noch lange im Windschatten der Kirche und genossen die Sonne und das Beisammensein. Alles in
allem war es eine sehr fröhliche und angenehme Veranstaltung. Ein Teilnehmer brachte es treffend auf den Punkt: dieses lebendige, von positiver
Zukunftsaussicht geprägte Treffen im Kontrast zur Würde des der Kirche vorgelagerten Friedhofes symbolisiert das Nebeneinander von Leben und
Tod im besten Sinne. Dem können wir nur zustimmen.
Wir freuen uns auf einen hoffentlich reibungslosen Bauablauf ohne Zwischenfälle und eine tüchtige und konstruktive Zusammenarbeit. Und wir würden uns freuen, den Stechower Kinderchor zur
Einweihung in einem Jahr wiederzusehen. Wenn eines Tages die erste Hochzeit oder Taufe in der Landiner Kirche stattfindet, hat sich alles gelohnt.
Ein herzliches Dankeschön auch diesmal wieder an alle fleißigen Unterstützer und Kuchenbäcker, es macht viel Freude, sich auf euch verlassen zu können.
Gert Dittrich
Die letzten drei Jahre waren mit intensiver Arbeit gefüllt, um unsere Dorfkirche vor dem Verfall zu retten: Vereinsgründung, Konzeptionierung, Zustandserfassung, Finanzierungsanträge, Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr. Hier ein Auszug aus dem Nutzungskonzept, das wir für den Fördermittelantrag des LEADER-Programms* erstellten:
Ziel des Projekts ist die Wiedernutzbarmachung der z.Z. gesperrten Patronatskirche als Kunst- und Kulturkirche sowie als multifunktionale Aktions- und Begegnungsstätte für das ganze Dorf und die Region Westhavelland. Erforderlich dazu sind erhebliche bauliche Maßnahmen entsprechend des Sanierungskonzeptes, Einbau einer Winterkirche (ein beheizbarer, auch im Winter nutzbarer Raum), einer WC-Anlage und einer Teeküche.
Mit dieser Maßnahme wollen der Verein und die Gemeinde den ländlichen Raum in der Region als Wohn- und Lebensort attraktiver und lebenswerter gestalten, den Zusammenhalt der ländlichen Gemeinschaft durch gemeinsame Aktivitäten stärken, ortsansässigen Künstlern einen Raum zur Präsentation ihrer Kreationen bieten, eine touristische Lücke am Havellandradweg schließen und nicht zuletzt das denkmalgeschützte und schönste Gebäude des Dorfes vor dem Verfall retten und einer neuen, erweiterten Nutzung zuführen.
Träger ist die Evangelische Reformationsgemeinde Westhavelland, Nutzer und Betreiber der Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin e.V.
Im Mai 2018 erhielten wir dann endlich den Zuwendungsbescheid für die vom Förderverein und der Kirchengemeinde beantragten Mittel aus dem LEADER-Programm. Mit diesen Mitteln können wir 75% der vom Planungsbüros IBS geschätzten Baukosten von ca. 400.000 Euro finanzieren. Die restlichen 25% sind über Spenden und Sponsoren zu finanzieren.
Am 29. September 2018 ging es los mit dem 1. feierlichen Spatenstich. Doch schnell zeigten sich die Tücken des aktuellen Marktumfeldes am Bau: Alle eingehenden Angebote für die Gewerke, die wir öffentlich ausschreiben mussten, lagen weit über unserem schon mehrfach angepassten Budget. So konnten wir die Bauausführung nicht beginnen, sondern es gab neue Ausschreibungen, z.T. wurden sogar Leistungspakete wieder aufgeschnürt und in Teilleistungen zergliedert.
Dadurch erhöhte sich der Arbeitsaufwand erheblich und wir verloren so viel Zeit, dass der Baubeginn auf 2019 verschoben werden musste.
Zum Glück jedoch gelang es uns in allen Gewerken die Aufträge innerhalb des geplanten Budgets zu vergeben. Lediglich die Reparatur der defekten, bleiverglasten Fenster war beim besten Willen nicht für den Budgetpreis zu bekommen. Zu unserer großen Freude sprang hier ein privater Spender ein, der die nicht unerhebliche Differenz übernahm.
Pünktlich zum Frühlingsanfang am 01.03.2019 wurde die Kirche eingerüstet und es begannen die Zimmerleute, Maurer und Dachdecker mit ihrer schwierigen Arbeit. Besonders erschwerend kommt noch die Lage der Baustelle auf dem Kirchberg inmitten des Friedhofs hinzu, dadurch müssen alle Materialien und Gerätschaften per Hand transportiert werden. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass die Sanierungsarbeiten unter einem guten Stern stehen: Alle beteiligten Firmen haben hervorragende und engagierte Fachleute und Handwerker.
So können wir jetzt schon voller Zufriedenheit auf folgende fertig gestellten Arbeiten schauen: Abbau des gesamten nördlichen Vorbaus, Verstärkung des Fundaments, Ergänzung des Fachwerks, neues Dach des Vorbaus nach historischem Vorbild, die Gefache sind bereits wieder sauber ausgemauert und die Deckenbalken und Sparrenköpfe der Südseite wurden fachgerecht saniert; im Innenbereich ist bereits die Unterschalung an den Deckenbalken und der Putzträger aus Schilfrohr für den Lehmputz befestigt.
Wenn es in diesem Tempo weitergeht, sind wir optimistisch, dass wir bald die Einweihung feiern können. Wir freuen uns schon darauf, den Kirchenraum für religiöse, kulturelle, künstlerische und soziale Zwecke zu nutzen.
Bis dahin bleibt noch vieles zu tun. Der gesamte Innenausbau muss noch erfolgen, d.h. mit Maler-, Tischler-, Elektriker-, Sanitär-, und Trockenbauarbeiten und auch unsere Restauratorin Frau A.X. Schulz ist noch einmal gefordert. Es bleibt also spannend.
Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin e.V.
Gert Dittrich
* nähere Infos zur LEADER- Förderung: https://www.netzwerk-laendlicher-raum.de/leader/leader-methode/
Dachkonstruktion Südseite |
Nördlicher Vorbau mit neuem Dach |
Fünfkantschwelle im Sparrenkopf- / Deckenbalkenbereich |
Nord/Ost-Ecke des Kirchenschiffs nach der Sanierung |
Weitere Bilder finden Sie hier: Bildergalerie
Am Freitag, 27.09.2019, berichtete die Märkische Allgemeine Zeitung über den Stand der Sanierungsarbeiten der Landiner Kirche und unterstützte unseren Spendenaufruf für die Installation der Glocke und der Turmuhren.
Wir danken dem Autor Herrn Kniebeler für die Erlaubnis, den Artikel hier auf unserer Homepage veröffentlichen zu dürfen.
Mai 2020: Die Sanierungsarbeiten in der Landiner Kirche schreiten stetig voran.
Eine besondere Freude ist, dass nun die beiden Uhren an der Nord- und der Westseite der Kirche montiert werden konnten und bald - wenn auch die Elektrik
fertig verlegt ist - wie früher die Zeit am Kirchturm angezeigt und abgelesen werden kann.
Und auch die historische Glocke, die in den letzten Jahrzehnten ungenutzt und ohne klingen zu können auf dem Dachboden stand, konnte in der letzten
Mai-Woche wieder im neu errichteten Glockenstuhl aufgehängt werden. Hier treffen sich alte Handwerkskunst und neueste Technik. Die alte Glocke wurde in
einem traditionell gefertigten Glockenstuhl mit moderner Aufhängung montiert und mit einem elektrischen Linearantrieb versehen. So kann demnächst wieder
der Ton der Glocke über Landin erschallen.
Der Glockenstuhl bietet noch Platz für die zweite - leider nicht mehr vorhandene - Glocke. Aber wer weiß,
was die Zukunft noch bringt, und vielleicht kann irgendwann auch wieder der zweite Glockenton erklingen...
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Weitere Fotos von der Uhrenmontage und der Glockenaufhängung sind in unserer Bildergalerie zu sehen:
Folgen Sie einfach dem Link zur Bildergalerie.
Eigentlich wurde ja kein neuer Dachstuhl über der Kirche errichtet, aber der nördliche Anbau hat dann doch eine neue Dachkonstruktion erhalten und so ist der Begriff „Richtfest“ nicht ganz unpassend.
Jedoch war der Name für die Feier auch nicht so wichtig. Wichtig war es für uns von der Gemeinde und vom Förderverein, den vielen fleißigen Handwerkern mit der kleinen Feier, die am vergangenen Freitag stattfand, auch einmal im angemessenen Rahmen herzlich Danke zu sagen. Danke für die fleißige, korrekte und solide Arbeit, die sie in den letzten zwei Jahren verrichteten. Das ist nicht ganz selbstverständlich, es waren schließlich einige Herausforderungen und unvorhergesehene Situationen zu meistern.
Den Handwerkern und Fachleuten ist es zu verdanken, dass die Kirche nun wieder in ihrem alten Glanz erstrahlt und nach über einem Vierteljahrhundert Dornröschenschlaf wieder für eine vielfältige Nutzung zur Verfügung steht.
Bei einem bunten Imbiss sowie Kaffee und Kuchen kam es zu einigen fruchtbaren Gesprächen, Fachsimpelei und Verabredungen. Die Teilnehmer nahmen sich die Zeit, ihr vollendetes Werk mal in Gänze und in voller Pracht zu begutachten; während der Bauphase war das ja nicht immer möglich.
Und wir hatten den Eindruck, dass sie, auch wenn sie kritisch waren, von ihrer Arbeit doch überzeugt waren. Die Landiner Kirchenbaustelle war eben eine ganz besondere Baustelle, derer man im Berufsleben nicht so viele hat.
Nun wird es vermutlich für die nächsten Jahrzehnte das letzte Richtfest in der Landiner Kirche gewesen sein. Wir wünschen uns, dass in dem Gebäude möglichst viele Menschen eine angenehme und inspirierende Zeit erleben. Möge die Kirche ein Ort vieler schöner Erinnerungen werden.
Übrigens gilt der Dank ebenso den vielen fleißigen Kuchenbäckerinnen, Grillmeisterinnen, Tische- und Bänkeaufbauern und Unterstützern, ohne die wir keine Dankeschön-Feier hinbekommen hätten.
Gert Dittrich
Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin e.V.
Ein paar Fotos der fertiggestellten Arbeiten an und in der sanierten Kirche: (zum Vergrößern, bitte Bilder anklicken!)
Der letzte Gottesdienst in der Landiner Kirche lag schon über 25 Jahre zurück. Denn aufgrund des desolaten Bauzustandes musste die Gemeinde die Kirche aus der Nutzung nehmen. Nach einem Vierteljahrhundert „Ruinendasein“ hinter verschlossenen Türen war die Sanierung der Landiner Kirche nun beinahe abgeschlossen und sie wird nach dieser langen Zeit endlich wieder genutzt werden können.
Am Sonntag, 04.10.2020 war es dann endlich soweit: obwohl die Sanierungsarbeiten noch nicht vollständig abgeschlossen waren, konnte der Eröffnungsgottesdienst stattfinden.
Pünktlich um 13:00 und um 14:00 Uhr rief das neu installierte Geläut mit der historischen Glocke von 1675 die Landiner und viele Gäste herbei.
Allerdings nun wieder nicht in die Kirche sondern auf Grund der aktuellen Infektionsschutzbestimmungen in der Corona-Pandemie vor die Kirche.
Aber Petrus hatte ein Einsehen, bei herrlichem Sonnenschein konnte der Festgottesdienst vor der herausgeputzten Südfassade stattfinden, lediglich ein kräftiger Wind fegte dem Pianisten, der dem Gottesdienst einen feierlichen musikalischen Rahmen gab, die Noten so manches Mal durcheinander.
Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Herr Andreas Tutzschke, erläuterte den Anwesenden den langen und schwierigen Weg, der bis heute zurückgelegt wurde. Und dem Förderverein ist es sehr wichtig, die gute Zusammenarbeit zwischen der Kirchengemeinde und dem Förderverein hervorzuheben! Ohne die verlässliche, konstruktive und lösungsorientierte Partnerschaft hätte das Projekt nicht so gut gelingen können.
Im Anschluss an den offiziellen Teil konnte die Kirche in kleinen Gruppen und unter Beachtung der Hygienebestimmungen besichtigt werden.
Die Kirchenwände waren bereits mit Kunstwerken der Landiner Künstler Uthea Dormer, Heiko Herkt und Dirk Friese geschmückt, um den Besuchern schon einen Eindruck von der zukünftigen, auch kulturellen Nutzung zu vermitteln. Schließlich soll ja die Nutzung hauptsächlich als Kunst- und Kulturkirche erfolgen. Im milden Licht der tiefstehenden Nachmittagssonne, die durch die wieder restaurierten, bunten Glasfenster fiel, kamen die Bilder gut zur Geltung.
Bei Kaffee und Kuchen gab es Gelegenheit zum Gespräch und Austausch – so manche gute Idee wurde geboren.
Ein paar Impressionen von diesem Tag: (zum Vergrößern, bitte Bilder anklicken!)
Wir möchten uns bei allen fleißigen, freiwilligen Helfern, Spendern und Künstlern für die ehrenamtliche Unterstützung bedanken; ohne sie hätten wir nicht einen solchen perfekten Tag erlebt.
Unser ganz besonderer Dank geht an den Pianisten und seine Ehefrau, sie fassten überall mit an, wo es nötig war.
Dieser für die Landiner Kirche so historische Tag markiert den Beginn eines neuen Abschnitts in ihrer über 300-jährigen Geschichte: Nun kann die Kirche in einer von Mitgliederschwund und Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum geprägten Zeit durch die Nutzung als Kunst- und Kulturkirche einem breiteren Publikum erschlossen werden und so in den Alltag und ins Bewusstsein aller rücken. Die Kirche erhält in jeglicher Hinsicht wieder ihren Platz in der Mitte des Dorfes. Das hat das Kirchengebäude wahrlich verdient.
Gert Dittrich
Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin e.V.
Historische Ansicht des Kirchturms mit Turmuhr und dem westlichen Ziffernblatt. |
Die Glocke auf dem Dachboden; Bronzeguss 1675 durch die Gießerei Heintze, Spandau. |
Historische Ansicht mit Turmuhr und dem zweiten Ziffernblatt (auf der Nordseite). |
Zustand vor der Sanierung - ohne Uhren. |
Alter, unbrauchbarer und neuer Klöppel der Glocke. |
Zustand vor der Sanierung - ohne Uhren. |
Aktuelle Ansicht des Kirchturms mit neuer Turmuhr, die lange Zeit fehlte. |
Die alte Glocke im neuen Glockenstuhl, wieder bereit zum Läuten. |
Aktuelle Ansicht des Kirchturms mit beiden wiederhergestellten Uhren. |
Der historische Kanzelaltar war zunächst in einer ersten Phase nur konserviert und anschließend eingehaust worden, um ihn zu sichern und während der Sanierung zu schützen.
Nachdem die Sanierung im Innenraum der Kirche weitgehend abgeschlossen war, konnte der Kanzelaltar auch durch die Restauratorin Frau Xenia Schulz in der ursprünglichen barocken Farbfassung restauriert und rechtzeitig vor der Wiedereröffnung fertig gestellt werden.
Er erstrahlt inzwischen in neuen Farben und bildet den zentralen Punkt der sanierten Kirche.
Altarkonservierung durch Restauratorin Frau Schulz |
Altarkonservierung durch Restauratorin Frau Schulz |
Der restaurierte Altar in neuer Farbfassung |
Bild gemalt von Conny Blume
Am 25. September 2021 konnten wir endlich unsere so schön sanierte Kirche als einen Ort der Begegnung von Kunst und Kultur mit einer Feier einweihen.
Dazu gab es ein Klavierkonzert von Ulrich Marcks und die Eröffnung der Foto-Ausstellung „bei uns“ (aktuelle und historische Fotos der Dorfgemeinschaft Landin). Hier gibt es die Einladung als PDF zum Download.
Der Himmel gab seinen Segen dazu – bei sonnigem Wetter konnte sowohl in der Kirche wie außen herum entspannt gefeiert werden. Über 170 Menschen kamen an der Hygienekontrolle vorbei, so viele, dass leider nicht alle in die Kirche passten.
Das Programm eröffnete Gert Dittrich (Vorsitzender des Fördervereins), der die Gäste willkommen hieß und einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Sanierung gab. Hanka Gregor (Ortsvorsteherin) bedankte sich im Namen der Landiner bei den drei Hauptakteuren Gert und Sonja Dittrich und Dirk Friese mit Blumen und Geschenken. Andreas Tutzschke (Vorsitzender des Gemeindekirchenrats) betonte die Herausforderung für den GKR bei der Begleitung der Sanierung und wünschte für die weitere Kulturarbeit viel Erfolg.
Überraschend waren eine Vertreterin und der Bürgermeister aus der Partnergemeinde Sommerland angereist und brachten als Glück bringendes Geschenk eine handgeschmiedete Skulptur einer Sonnenblume aus Hufeisen eines Sommerländer Künstlers mit.
Hier folgt ein Video, das anschaulich die schöne Stimmung vermittelt und noch einmal für alle, die nicht mehr in die Kirche rein kamen, eine Hörprobe von Ulrich Marcks Klavierspiel (Schubert) gibt.
Herzlichen Dank an Herrn Andreas Flender, Regionalbeauftragter Havelland des Förderkreises Alte Kirchen für die schöne Nachbetrachtung unserer Eröffnungsfeier vom 25.09.2021. Beim Lesen wird die Erinnerung an einen sonnigen Tag in Gemeinschaft lebendig.
Im März 2019 startete das Bauvorhaben „Sanierung der Kirche Landin“ mit dem Einrüsten der Kirche außen. Anschließend wurde die Dacheindeckung in Teilbereichen zurück gebaut, um das Dachtragwerk sanieren zu können. Weiterhin erfolgte in den ersten Wochen eine umfangreiche restauratorische und bauhistorische Begutachtung der Kirche.
Anfang April begann die Sanierung von Schwellen, Deckenbalken und Sparren des Dachstuhls der Kirche. Hierfür mussten Ziegel im Auflagerbereich der Schwellen zurück gebaut werden. Je nach Fortschritt der Zimmererarbeiten wurden die Schwellen wieder untermauert und die Dachflächen wieder mit den geborgenen Dachziegeln geschlossen.
Es wurden Fugenmuster im Backsteinwandbereich der Südseite ebenso angelegt wie auch im Bereich der Gefacheausmauerung der Nordseite. Nach Freigabe der Fugenmuster wurde die Südfassade komplett neu verfugt.
Der Nordanbau wurde, bis auf Fundamente und Sockel komplett zurückgebaut, das Notdach wurde entsorgt. Das Fachwerk wurde durch Erneuerung von Stielen, Riegeln und Streben komplett durchsaniert. Das stark geschädigte Gesims wurde neu hergestellt. Nach Abschluss der Zimmererarbeiten wurden die Gefache wieder ausgemauert und ein neues Dach, entsprechend historischer Vorlage aufgebracht.
Auch der Ostgiebel wurde komplett von seinen Gefacheausmauerungen befreit. Das Fachwerk wurde umfangreich saniert und die Gefache anschließend mit Altziegeln und neuen Ziegeln wieder geschlossen.
Das sanierte Fachwerk der Kirche wurde malermäßig komplett neu gefasst. Grundlage hierfür war eine denkmalpflegerische Abstimmung.
Der Lehmputz in der Kirche wurde an Decke und Wänden ausgebessert bzw. in den Sanierungsbereichen neu hergestellt. Die Decke des Kirchenschiffs wurde anschließend neu gestrichen.
Die Treppe zur Empore wurde ausgebaut und das Treppenauge geschlossen. Die Dielung der Empore wurde aufgearbeitet. Zudem wurde die Brüstung aufgeschnitten und eine neue Treppe installiert. Der Aufgang zur Empore wurde somit verändert. Weiterhin wurde eine neue Treppe zum Dachstuhl des Kirchenschiffes eingebaut.
Die Fenster der Kirche wurden komplett aufgearbeitet. Im Turm wurden zwei Fenster neu gebaut. Es wurden neue Schallluken gebaut und in dem neu verschalten Turm eingebaut.
Es wurde ein WC und eine Teeküche eingebaut. Zudem wurde die Westempore zu einer Winterkirche umgebaut. Die komplette Elektrik der Kirche wurde erneuert und auch erweitert.
Weiterhin wurde der Glockenstuhl überarbeitet und eine elektrische Läuteanlage eingebaut.
In den vergangenen Monaten wurde nun der Altar komplett restauriert.
Als letzte Maßnahme beginnt in Kürze die Erneuerung der kompletten Beleuchtung der Kirche.
Andreas Degenhardt, Büro IBS
Hoppegarten, 15.10.2021
Nach der Sanierung des Kirchengebäudes stand noch die Wegepflasterung auf dem Plan. Damit sollte der Zugang für unsere älteren und ganz jungen Besucher erleichtert werden.
Da dabei in die Bodenstruktur eingegriffen wurde und unsere Kirche nebenbei auch ein Bodendenkmal ist, wurden diese Arbeiten von einer Archäologen-Agentur begleitet.
Die beiden engagierten Archäologinnen wurden dabei auch fündig. So legten sie das Feldstein-Fundament einer Mauer frei und entdeckten eine gemauerte Gruft, die vermutlich vor dem 17. Jhd. erbaut wurde, also noch bevor unser derzeitige Kirche errichtet wurde.
(Zum Vergrößern, bitte Bilder anklicken!)
Nach etwa einem Jahr erhielten wir dann auch den Archäologischen Abschlussbericht, den wir mit freundlicher Genehmigung der Archäologie-Agentur veröffentlichen dürfen. Es sind interessante Erkenntnisse enthalten. Wir wünschen viel Freude und Neugier beim Lesen.
Link zum archäologischen Abschlussbericht (als PDF / zum Download).
Nach drei Jahren Planung und Vorbereitung war es am 15.06.2023 soweit:
Die Landiner Friedensglocke wurde tatsächlich nachgegossen und wir waren live dabei!
In den Telefonaten mit Frau Huesker, der großartigen Chefin der Gießerei Petit und Gebr. Edelbrock, erfuhren wir, dass es nicht unüblich ist, dem Guss beizuwohnen.
Wir überlegten lange hin und her, schließlich ist Gescher mehr als sieben Stunden von uns entfernt, das bedeutete ja, etwa zwei Tage dem Alltag abzuknapsen.
Fünf Mitglieder des Fördervereins entschlossen sich, die Expedition zu wagen und im Nachhinein waren sich alle darin einig: diese Fahrt ins Münsterland hat sich gelohnt.
Das Erlebnis des Glockengießens ist wirklich einmalig.
Daran teilzuhaben, wie aus einer flüssigen Metallschmelze eine Glocke entsteht, zu sehen, wie mit dem Guss die gesamte Vorarbeit der Planung, Finanzierung, des Herstellen der Gussform und Gießrinnen gekrönt wird, ist alle Wege wert.
Es hat uns auch sehr imponiert, wie humorvoll und kenntnisreich uns Frau Ellen Huesker durch ihre Gießerei führte, für uns Laien sehr verständlich den Kosmos der Glockenwelt erklärte und wie gut die Zusammenarbeit in dem Team der Mitarbeiter harmonierte.
Immer wieder fühlten wir uns an Friedrich Schillers "Lied von der Glocke" erinnert. Und wie auf der Bühne wurde die schwere Arbeit der Glockengießer am Ende mit großem Applaus und Standing Ovations von etwa achtzig Anwesenden aus vier Gemeinden belohnt.
Der Glockenguss in Gescher wird bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Jedes Mal, wenn dereinst der hellen Ton des Glockengeläuts erklingt, werden wir uns an die Mühen und die schwere Arbeit des Glockengießerteams aus Gescher erinnern, zugleich aber auch der gastfreundlichen und fröhlichen Gescheraner gedenken, die wir während unseres Aufenthalts dort kennenlernten.
Unser Dank gilt den großzügigen Spendern, die den Nachguss der Landiner Friedensglocke erst ermöglicht haben.
Gert Dittrich
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Und hier einige Momente in bewegten Bildern:
Der Reformationstag am 31.10. ist in Brandenburg ein Feiertag. Und für die Evangelische Reformationsgemeinde Westhavelland, die Landiner Kirche und ihre Besucher war es diesmal ein ganz besonderer Tag - ein Feiertag in doppelter Hinsicht.
Passend zum Reformationstag ist nach einer dreijährigen Vorbereitungsphase der Nachguß der 1917 zu Kriegszwecken requirierten 2. Glocke fertiggeworden. So konnte der Reformationsgottesdienst mit der Glockenweihe verbunden werden.
Die Glockenweihe wurde sehr feierlich vom Superintendenten Thomas Tutzschke und vom Pfarrer Gerd Zelmer zelebriert. Der Superintendent berichtete von den Glocken in Köln, Niederrursel, Bad Salzuflen und Landin, denn all diese Orte sind durch den selben Glockengußtermin verbunden, sie sind im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Guß. Er verband die In-Dienst-Stellung der Glocke mit dem Wunsch, dass gerade aufgrund des Schicksals der Vorgängerglocke die neue Glocke stets zu friedvollen Zwecken dienen und läuten solle. Und so lautet der Name der Glocke auch „Landiner Friedensglocke“ mit der Inschrift „Dona Nobis Pacem“. Für diesen Namen hatte sich die Gemeinde und der Verein bereits vor Beginn der schrecklichen Kriege in der Ukraine und in Nah Ost entschieden – möge der Zweiklang der Glocken die Menschen daran erinnern, wie wichtig der Frieden auf Erden ist.
Pfarrer Gerd Zelmer organisierte den Ablauf der Veranstaltung und es gelang ihm, drei Chöre zusammenzubringen, die Kirchenchöre Barnewitz und Nennhausen und den havelländischen Chor Salto Tonale, die unter der Leitung von Frau Nußbaum sehr gut harmonierten. Direkt zur Glockenweihe spielte uns H.-U. Marcks auf dem Flügel „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von M. Praetorius – thematisch sehr passend.
Nach der Glockenweihe gab es noch die Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen, die sanierte Landiner Kirche zu besichtigen und die Ausstellung der Berliner Künstlerin Sybille Wagner zu betrachten.
Dass sich die über einhundert Besucher wohlfühlten, lag vor allem daran, dass viele Landiner so fleißig mit anpackten, putzten und schmückten, Kuchen backten, Kaffee kochten und das Geschirr managten. Ihnen gilt mein ganz besonderer Dank, ohne diese Unterstützung wären solche Veranstaltungen gar nicht möglich.
Für uns vom Landiner Förderverein stellt die Glockenweihe einen gelungenen und krönenden Abschluss des Sanierungsprojektes dar. Nun kommt es darauf an, die Kirche weiter mit Leben und Kultur zu füllen. Bei soviel Engagement und Einsatz der Landiner sollte es gelingen.
Gert Dittrich
Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Landin e.V.
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Pfarrer Gerd Zelmer und Superintendent Thomas Tutzschke |
Frau Nußbaum und der Chor |
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Andreas Tutzschke und Gert Dittrich |
Und hier die beiden, vereinten Glocken, die zwei Tage später zum ersten Mal gemeinsam erklingen konnten:
Und damit fand die Sanierung des Landiner Kirchengebäudes nach etlichen Jahren und sehr viel gemeinsamer Arbeit schließlich im Herbst 2023 ihren Abschluss.